“Ich war doch noch ein Kind…”

Wenn sie erwachsen sind wissen die meisten Betroffenen, wer für ihre körperlichen und seelischen Schmerzen verantwortlich ist. Sie leiden tagtäglich. Jeder einzelne von ihnen hat versucht dieses Leben hinter sich zu lassen – doch die wenigsten schaffen es. Immer wieder hört man die verzweifelten Worte „Ich war doch noch ein Kind…“. Es hat ihnen keiner gesagt sie sollen sich bewegen. Es hat ihnen keiner gesundes Essen gemacht und auf ihre Gesundheit geachtet. Es hat sich keiner mit ihnen beschäftigt. Sie waren damals alleine. Und deshalb sind sie es heute immer noch. Alleine mit sich und ihrem Leben. Damals alleine weil keiner Zeit und Aufmerksamkeit übrig hatte. Und heute allein weil sie fettleibig sind und sich vor der Gesellschaft zurückziehen.

Wenn beide Elternteile berufstätig sind oder einfach kein Interesse an ihren Kindern haben, werden die Kinder ein eine Einsamkeit getrieben, die ihr ganzes Leben verändern wird.

Jugendliche mit Übergewicht waren als Kind alleine © AdobeStock New Africa

Es war keiner da!

Was ist die Ursache für all das Leid? In den letzten 40 Jahren hat sich die Zahl der fettleibigen verdreifacht. Kinder, die alleine waren. Es war keiner da, der für eine gesunde Ernährung sorgte. Es war keiner da, der sich mit ihnen beschäftigt hat. Und keiner, der sie zur Bewegung animiert hat.

Sie wollten immer ihre Ruhe

Eltern, die zu sehr mit ihrem Leben beschäftigt sind, überlassen die Kinder gerne sich selbst. Dabei wird das Smartphone und der Fernseher zur preiswerten Super-Nanny. Glotze an, ein schnelles Essen auf den Couchtisch und Mama hat ihre Ruhe.

In einer Studie an der University of California in Berkley wurde herausgefunden, dass es 1980 in US-Haushalten rund 81 Millionen TV-Geräte gab. Bis heute hat sich die Zahl der TV-Geräte in US-Haushalten auf fast 326 Millionen mehr als verdreifacht

Zahl der fettleibigen Kinder hat sich verdreifacht

Verdreifacht hat sich parallel dazu die Zahl der fettleibigen Kinder und Erwachsene. Laut der Forscher, die an der Studie mitwirkten, steigt die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht bei 12-17-jährigen mit jeder Stunde vor dem Fernseher um 2%.

In meinem Beitrag “3 von 4 Kindern bewegen sich täglich weniger als 60 Minuten” habe ich bereits berichtet, dass Kinder heutzutage im Durchschnitt 7,5 Stunden vor einem Bildschirm sitzen… Rechnen wir nun ganz kurz aus, was diese beiden oben genannten Zahlen in Kombination gesundheitlich für unsere Gesellschaft bedeuten, sollten wir hellhörig werden…

Sie leiden tagtäglich

Und bedenken wir – diese Zahl bezieht sich fokussiert auf mangelnde Bewegung. Was die einsetzende Fettleibigkeit sowohl psychisch für einen Menschen bedeutet, ist dabei noch nicht berücksichtigt. Betroffene berichten darüber wie sie tagtäglich unter ihrem Leben leiden. Sowohl psychisch als auch körperlich.

Gerade jetzt sollten Sie sich um Ihre Kinder zu kümmern

Deshalb mein Appell an Sie: Nutzen Sie diese Tage der Corona bedingten Einschränkungen und beschäftigen Sie sich mit Ihren Kindern. Gehen Sie raus in den Wald. Klettern Sie, spielen Sie Ball oder rennen Sie um die Wette. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind nicht den Weg der oben genannten Menschen einschlagen muss weil Sie andere Interessen haben. Sie tragen die Verantwortung für die Richtung in die sich Ihr Kind entwickelt. Sie entscheiden über die Veranlagung, über die Motivation und vor allem darüber, wie sich Ihr Kind fühlt.

“Immer wenn ein Kind vor einem Bildschirm sitzt, stirbt auf irgendeinem Baum ein Abendteuer”

Studie RKI Adipositas